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Der Einzug der
Schafhaltung in das heutige Gebiet Baden-Württembergs wird auf die Zeit um
4.500 v. Ch. geschätzt. Ab 500 v. Chr. datiert man den Zeitpunkt des
planmäßigen Scherens und ab etwa 1.200 n. Chr. kommt der Wollverarbeitung
eine immer größere Bedeutung zu. |
| Zunft und
Schäferei-gerechtigkeit |
Die Geschichte der Schafhaltung nahm im ehemaligen Württemberg einen
besonderen Verlauf, denn bis in die ersten Jahrzehnte des 19.ten
Jahrhunderts bedurfte es einer hoheitlichen Konzession, um Schafe zu
halten. Das "herrschaftliche Recht", nicht nur die eigenen Flächen zu
beweiden, sondern auch die der Untertanen, spielte auch für die Ausprägung
der landestypischen Wanderschafhaltung eine große Rolle. Zu den
Besonderheiten zählte auch die Zunft der Schäfer: Das Hüten einer Herde
durch einen nicht gelernten Schäfer war verboten!
In welcher Zahl die Obrigkeit auf so genannten "Schafhöfen" selbst Schafe
hielt - das entschied sich auch in früheren Jahrhunderten an der
jeweiligen ökonomischen Situation und dem Wert der Wolle. Ganz wesentlich
war das Zusammenspiel zwischen der Bevölkerungsentwicklung nach Seuchen-
oder Kriegszügen und der Verfügbarkeit von Weideflächen. Für die "Herden
der Herrschaft" gab es besondere Weiderechte und ob als "Landgefährt",
"Triftgerechtigkeit" oder "Schäfereigerechtigkeit" in der jeweiligen Zeit
bezeichnet: Die Interessen der Schafhalter und der Grundflächenbesitzer
galt es auszugleichen. |

Die Markgröninger Zunftlade der Schäfer. |
| Patente und Wollmärkte |
Nicht selten griff deshalb die jeweilige Obrigkeit mit Erlassen und
Verordnungen die Schafhaltung betreffend ein. Etwa 1688 mussten binnen
Monatsfrist Weidebücher für die Herden angelegt werden, um festzuhalten,
wer nun wo mit welcher Anzahl Tiere weiden durfte. Ab 1704 musste jede
wandernde Herde mit einem aktuellen "Patent" - quasi einer Wandererlaubnis
- ausgestattet sein. Im Jahr 1819 - die Wanderschafhaltung ist auf ihrem
Höhepunkt - wird in Kirchheim der erste Wollmarkt eingeführt. Ein Markt
lockt Käufer an - also regelte man die Uhrzeit an Markttagen, ab welcher
"Ausländer" Wolle erwerben durften....
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Das "grobwollige" Zaupelschaf" war in Altwürttemberg schon
lange verboten, nicht so im neuwürttembergischen Oberschwaben. |
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Wanderschaf-haltung und Heiden |
Die
Geschichte der Schafhaltung in Württemberg ist wechselvoll: Ob 200.000
Mutterschafe oder 650.000 Mutterschafe - mit beidem mussten Mensch und
Natur im Lauf der Jahrhunderte leben und Erträge erwirtschaften. Die
Entstehung der ökologisch besonders wertvollen Wachholderheiden ist
hiermit eng verknüpft. Die Wanderschafhaltung begründet sich auf den
hoheitlichen Weiderechten und wurde bis in die heutige Zeit verankert. Wie
entstand nun das Württemberger Schaf? |

Von der Winterweide in der wärmeren Region zur
Sommerweide in Höhenlage - so verlaufen auch heute noch die traditionellen
Wanderwege. |
| Feine
Wolle durch Merinos |
Die enge Verknüpfung der
württembergischen Schafhaltung mit den jeweiligen Herrschern bezog sich
auch auf die Zuchtarbeit. So verbot Herzog Ulrich in seiner Schafordnung
schon im Jahr 1536 die Haltung des krankheitsanfälligen und nur
geringe Wollerträge liefernden Zaupelschafs. Für die besonders feine
Merinowolle interessierte sich der vielseitig gebildete Herzog Karl
Eugen. Nach dem Fall eines strengen Exportverbotes für die begehrten
Merinoschafe entsandte der Herzog im Jahr 1786 zwei extra ausgebildete
Schäfer und den Dirigent der Ludwigsburger Tuchfabrik nach Spanien, um
diese Tiere vor Ort zu erwerben. Die ausgewählte
Rasse "ovejas merinos" hob sich einerseits durch ihre besonders feine
Wolle hervor und zeichnete sich andererseits durch ihre Marschfähigkeit
aus. In der Haltung und Bewirtschaftung der spanischen Wanderherden gab es
durchaus Parallelen zur Schafhaltung auf der Schwäbischen
Alb. Vielleicht war das der Garant für die erfolgreiche
Etablierung der feinwolligen Schafe in Württemberg. |

Herzog Karl Eugen von Württemberg etabliert die "Schafe mit dem kostbaren Vlies"
- spanische Merinos - im
Ländle.

In Spanien unterschied man zwischen grobwolligen
"Standschafen" und "Wanderschafen", die feine Wolle lieferten. |
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Wanderung nach Münsingen |
Mit
dem Einzug von insgesamt 104 spanischen und französischen Merinoschafen im
Herbst 1786 in Württemberg wurde der Grundstein für den Aufbau einer
eigenständigen Schafrasse - dem Württembergischen Schaf - gelegt. Der
"Einzug" darf auch wörtlich genommen werden, legten Schafe und Schäfer den
beachtlichen Weg aus dem spanischen Hochland entlang der Pyrenäen doch zu
Fuß zurück. Die Tiere wurden zunächst in Münsingen, später in Justingen
gehalten. Der Meiereihof Hohenheim - Wohnsitz des Herzogs und heute
Versuchsbetrieb der Universität - wurde als Musterbetrieb eingerichtet und
mit der Stammzucht beauftragt, die zeitweise auch in Justingen erfolgte.
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Merino-Mutterschaf mit Bezeichnungen für die
unterschiedlichen Wollqualitäten. |
| Das
goldene Vlies |
Bis Mitte des 19. ten Jahrhunderts spricht man von der "Zeit des goldenen
Vlies". Die Wollmärkte sind auf ihrem Höhepunkt, die Wollqualitäten
spielen eine große Rolle. Auf dem "Wolle-Weltmarkt" in Kirchheim/Teck
wurde im Jahr 1836 für 1,44 Mio. Gulden Wolle umgesetzt. Fortan beging man
verschiedene Wege, um das heimische Landschaf mittels Merino-Einkreuzungen
zu verbessern. Als "Bastardschafe“ bezeichnete man die Kreuzungstiere aus
Landschaf und Merinozucht, die nun kontinuierlich züchterisch bearbeitet
wurden. Fruchtbarkeit, Gesundheit, Marschfähigkeit und Fleischigkeit
zählten neben dem Wollertrag und der Wollqualität damals zu den verfolgten
Zuchtzielen. Dass die breite Landeszucht mit den Merinoschafen verbessert
wurde, hebt die württembergische Zuchtarbeit deutlich gegenüber anderen
Regionen hervor. Denn in vielen Regionen Deutschlands wurden die edlen
Merinoschafe gehalten, häufig handelte es sich jedoch um die Schafherden
großer Landgüter, und nicht um die breite Landeszucht. |
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| Das
württenbergische Bastardschaf ... |
Im Jahr 1859 gelten nur noch 13% der insgesamt 609.000 Schafe in
Württemberg als "unveredelt". Der Export von "Württembergern" auf den
Pariser Schlachtviehmarkt hat Hochkonjunktur. Die Zucht des "Württemberger
Bastardschafs" gliedert sich ab 1889 in zwei Zuchtrichtungen: Zur
Verbesserung der Schlachtausbeute wurden Merino-Fleischschafe eingekreuzt. |
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| ... wird
nach 100 Jahren zur Rasse "Württemberger Schaf"... |
Im Jahr 1915 entscheidet endlich die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft
(DLG), die Bezeichnung "Bastardschaf" zu ersetzen. Der Rassestandard für
das "Württembergische veredelte Landschaf" wird festgelegt und bald in
zwei Richtungen bearbeitet, die der Wollqualität und der Fleischigkeit
unterschiedliche Gewichtung zukommen lassen. Die hervorragende Rasse – im
Alltag nun kurz „Württemberger“ genannt - verbreitet sich auch in
angrenzende Regionen wie Hessen, Rheinland-Pfalz, das Elsass, Bayern und
auch nach Brandenburg. Im Jahr 1925 lautet das Zuchtziel für das
"Württembergische veredelte Landschaf":
"Zuchtziel ist die Erzeugung eines frohwüchsigen, gesunden, abgehärteten,
für ausgedehnten Weidegang und zum Pferchen geeigneten, marschfähigen und
genügsamen Schafes mit einem schweren, gut geformten Körper und hohem
Wollertrag." |

Der Landesverband der Schafzüchter Württemberg u. Hohenzollern e.V. hat
viel Erfolg auf der DLG-Schau in Hamburg (1951). |
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und "Württemberger Lamm" |
Haltung und Zucht der „Württemberger“ sind bald nicht mehr auf die Region
Württemberg begrenzt. 1927 wird deshalb die überregionale
"Arbeitsgemeinschaft für die Zucht des Württemberger Schafes"
eingerichtet, an der die tragenden süddeutschen Zuchtorganisationen
beteiligt sind. Im Rahmen der nationalsozialistischen "Gleichschaltung"
geht die Rassebezeichnung leider zeitweilig unter.
Die nun folgenden Jahrzehnte verlangen immer wieder neue Marktanpassungen,
die zuletzt in einem fast völligen Verlust des Wollwertes münden. Die
Landschaftspflege ist dafür eine neuartige Leistung, die bei den auch
heute noch wandernden Schafherden honoriert wird. Mit "Württemberger Lamm"
wird die traditionelle Bezeichnung wieder aufgenommen. „Württemberger
Lamm“ steht für ein Premiumprodukt der regionalen Schafwirtschaft und
stellt für Schäfer und Verbraucher gleichermaßen einen attraktiven
Vermarktungsweg dar.
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Schafhaltung mit und ohne Grundbesitz - typisch für
Württemberg.
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Württemberg - ein Land für Schafe und Schäfer |
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Schafhaltung und Schafzucht in Württemberg dürfen auf eine
erfolgreiche und breit erhaltene Tradition verweisen. Seit 1445 ist
die Existenz des Markgröninger Schäferlaufs belegt - Markgröningen war
zentraler Standort für die Zunftlade der Schäfer.
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Aus den besonderen regionalen Anforderungen entwickelten sich die
Wanderschafhaltung und eine eigenständige Schafrasse, das
"Württemberger Schaf".
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Mit "Württemberger Lamm" wird die Rassebezeichnung für eine
Vermarktungsinitiative der Baden-Württembergischen
Lammfleischerzeugergemeinschaft wieder aufgenommen. |
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Quellen: Werkmeister
Franz (2006); Reinhardt Manfred (2006) |
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Marschfähigkeit ist für Schaf und Hüter gefragt: Im
Barfußrennen wird die Entscheidung über Schäferkönigin und Schäferkönig
getroffen (1936). |
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